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Dr. Piero Bellanova

3. Preis des Jahres 2022

Tracing woody organic tsunami deposits of the 2011 Tohoku oki event in Misawa (Japan)

Institut für Neotektonik und Georisiken, RWTH Aachen University

© Piero BellanovaDr. Piero Bellanova (3. Preis): "Tracing woody organic tsunami deposits of the 2011 Tohoku oki event in Misawa (Japan)", Institut für Neotektonik und Georisiken, RWTH Aachen University
Copyright: Piero Bellanova

In dieser Arbeit spiegelt sich die konsequente weiterführende Forschung an Tsunami-Sedimenten und Hazard Assessment für Küstenbereiche wider, die sich Dr. Bellanova bereits in seiner Dissertation gewidmet hat. Diese transdisziplinäre Arbeit ist durch ein großes Methodenspektrum (Sedimentologie, organ. und anorganische Geochemie, Mikropaläontologie, Hazard Assessment) gekennzeichnet und wurde gemeinsam mit dem japanischen Kollegen Prof. Dr. Yuichi Nishimura durchgeführt.

Kurzdarstellung der Forschungsarbeit:

Durch mindestens drei Wellen verursachte der 2011 Tohoku-oki-Tsunami mit zerstörerischer Kraft massive Schäden und hinterließ Sanddecken entlang Japans Küstengebiete. Die Analyse der Tsunamisande mit Standardmethoden erwies sich jedoch als unzureichend und führte zu einer Unterschätzung der Gefahr in der Vergangenheit. Daher ist die Verbesserung unseres Verständnisses von Ablagerungsprozessen jenseits der Sandgrenze bzw. der visuellen Erkennbarkeit, sowie die Ergänzung geeigneter Methoden zur Untersuchung dieser Ablagerungen erforderlich.
Diese Studie zielt auf die unsichtbaren Tsunamiablagerungen, die an ihren organisch-geochemischen Signaturen erkennbar sind. In Misawa wurde das Küstengebiet bis zu 550 m landeinwärts überflutet. Jedoch sind Tsunamisande nur auf 61-63% der maximalen Überflutung nachweisbar. Natürliche und anthropogene, umweltsensitive organisch-geochemische Stoffe sind indikativ zur Unterscheidung zwischen Tsunami- und Nicht-Tsunami-Ablagerungen. Durch die Verknüpfung analytischer Daten mit der Beobachtung einer holzig-organischen Schicht mit eingebetteten schwimmfähigen Objekten wurde eine bisher nicht dokumentierte unsichtbare Tsunamiablagerung entdeckt. Diese Lage ist zunächst über dem Tsunamisand sichtbar und reicht bis zu 69-72% der Gesamtüberflutung landeinwärts weiter.
Durch diese Beobachtung kann unser Verständnis der Tsunamiüberschwemmung deutlich verbessert werden. Die Kombination von Standardmethoden mit geochemischen Markern ermöglicht neue Einblicke in Tsunami-Prozesse basierend auf den quellenspezifischen und persistenten Eigenschaften organischer Marker. Dieses Wissen kann auf die Paläotsunami-Forschung übertragen werden, denn es zeigt, dass die Sandschichten vergangener Tsunamis nur das untere Limit der Überflutung darstellen und dass eine Gefahrenunterschätzung reduziert werden kann, wenn der unsichtbare Teil der Tsunamiüberflutung mitberücksichtigt wird.


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