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Dr. Melanie Bartz

2. Preis des Jahres 2019

Quaternary fluvial environments in NE Morocco inferred from geochronological and sedimento-logical investigations

Geographisches Institut, Universität zu Köln

© Geoverbund ABC/J / Forschungszentrum Jülich GmbHDr. Melanie Bartz
Copyright: Geoverbund ABC/J / Forschungszentrum Jülich GmbH

Durch Mittel- bis Spätpaläolithische Funde in der prähistorischen Höhle Ifri n’Ammar (NO Marokko) werden Informationen über die Geschichte des Anatomisch Modernen Menschen (AMH) in den letzten ~170 ka offenbart. Der ephemere Wadi Selloum und der perennierende Fluss Moulouya wurden in der direkten Umgebung der Höhle untersucht, um die wechselnden Umweltbedingungen in der Zeit des AMH zu rekonstruieren.

Das sensible Ökosystem des Mittelmeerraumes führt v.a. durch kurzzeitige klimatische Veränderungen und menschlichen Einfluss zu einem diskontinuierlichen und heterogenen Sediment-Archiv im Wadi Selloum. Im Gegensatz dazu scheint der Hauptantrieb für die Entwicklung der unteren Moulouya-Terrassen die tektonische Aktivität zu sein. Neben der Anwendung von Labor- (Sedimentologie, Geochemie, Mineralogie) und mikroskopischer (Mikromorphologie) Analysen, war die Datierung ein wichtiger Bestandteil dieser Studie. Lumineszenz-, Elektronenspinresonanz (ESR)- und Paläomagnetik-Datierungstechniken wurden erfolgreich angewandt, um einerseits Phasen erhöhten Abflusses und andererseits Phasen der Bodenbildung chronologisch einzuordnen.

Während die Moulouya-Terrassen in das Frühpleistozän (~1.1-1.5 Mio. Jahre) datieren, gibt der Wadi Selloum Auskunft über morphodynamische Phasen in der Zeit der AMH-Besiedlung: Perioden der verstärkten Aggradation traten um ~100 ka, ~75 ka, ~55 ka, nach dem Letzten Glazialen Maximum und während des Holozäns auf, während die Sedimentation nach ~1.3 ka endete. Pedogenese zeichnet sich als Umweltindikator für feuchtere Klimabedingungen während des MIS 3 (Paläo-Calcisol), des frühen Holozäns (Calcisol) und des späten Holozäns (Fluvisol) aus.

Erste Interpretationen deuten darauf hin, dass feuchte und wärmere Klimaverhältnisse die menschliche Besiedlung in dieser Region begünstigten. Aufgrund herausgearbeiteter Umweltimplikationen gibt diese Studie erstmals Einblicke in Paläoumweltveränderungen in der direkten Umgebung von Ifri n'Ammar während des letzten Glazial-Interglazial Zyklus.


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