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Dr. Friederike Stock

1. Preis des Jahres 2016

„Ephesus and the Ephesia – palaeogeographical and geoarchaeological research about a famous city in Western Anatolia“

Arbeitsgruppe Küstenmorphologie, Geoarchäologie und Geochronologie, Geographisches Institut der Universität zu Köln

Dr. Friederike StockDr. Friederike Stock
Copyright: Dr. Friederike Stock

Die Dissertation fokussiert den historischen Wandel der Umwelt in Ephesos und der Ephesia: Die holozänen Küstenveränderungen im Küçük Menderes-Graben, die diversen Häfen von Ephesos und die Gründe für ihre Verlagerung sowie die Landschaftsrekonstruktion unter dem Aspekt der Mensch-Umwelt-Interaktion seit dem Neolithikum. Im Rahmen der Untersuchungen wurden unterschiedliche Geo-Bio-Archive erschlossen und das aus diesen gewonnene Bohrmaterial mit sedimentologischen, geochemischen, mikro- und makrofaunistischen, mikromorphologischen, palynologischen, parasitologischen, geophysikalischen und archäobotanischen Methoden untersucht. Die Chronologie basiert auf 14C-Datierungen, archäologischen (Be-)Funden und historischen Quellen. Die Forschungsarbeit zur Geoarchäologie der Landschaft um Ephesos ist an der Schnittstelle zwischen Natur- (Geographie, Geologie, Biologie) und Gesellschaftswissenschaften (Archäologie, Geschichte) angesiedelt. Die Ergebnisse aus den Einzeluntersuchungen dieses Multiproxy-Ansatzes wurden zusammengefügt und paläo-geographische Szenarien mit hoher zeitlicher Auflösung für die Umweltveränderungen um Ephesos entwickelt.

Die Analysen belegen u.a., dass der postglaziale Meeresspiegelanstieg seit der Mitte des 6. Jahrtausends eine marine Bucht schuf, die ca. 20 km landeinwärts reichte. Einhergehend mit einer Verlangsamung des Meeresspiegelanstiegs begann der Küçük Menderes sein Delta vorzubauen. Dabei lassen sich zwei Phasen unterscheiden: ein langsamer Vorbau mit niedrigen Sedimentationsraten vom 5. bis 1. Jahrtausend vor Christus und seitdem ein schneller mit höheren Raten, die wahrscheinlich human-induziert sind. Mit dem kontinuierlichen Deltavorbau mussten sowohl Siedlungen als auch Häfen verlagert werden. Die Arbeit liefert wichtige Erkenntnisse für die Rekonstruktion der Vegetationsgeschichte: Obwohl Pollen des Cerealia-Typs, datiert auf das 7. Jahrtausend vor Christus, bereits auf landwirtschaftliche Aktivität hinweisen, waren die Hänge damals noch durch die natürliche Vegetation geprägt. Darmparasiten und Spulwürmer, Pollen von Fruchtbäumen und eine ab dem 1. Jahrhundert vor Christus zunehmende Schwermetallbelastung im römischen Hafen von Ephesos verdeutlichen den starken anthropogenen Einfluss in dieser Zeit. Ab dem 6./7. Jahrhundert nach Christus lässt dieser Einfluss nach, was mit dem Niedergang der Stadt einhergeht. Im Zuge der Untersuchungen gelang zudem erstmals der Nachweis der Santorin-Asche, welche, als Folge einer gewaltigen Vulkaneruption im Jahr 1630 vor Christus, die die Insel Thera, das heutige Santorin, zerriss, auch im Hinterland von Ephesus niederging.


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