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Dr. Alexander Follmann

2. Preis des Jahres 2017

„Governing Riverscapes - Urban Environmental Change along the Yamuna in Delhi, India“

Geographisches Institut der Universität zu Köln

© Geoverbund ABC/J / Forschungszentrum Jülich GmbHDr. Alexander Follmann
Copyright: Geoverbund ABC/J / Forschungszentrum Jülich GmbH

In seiner als Wettbewerbsbeitrag eingereichten Dissertation befasst sich Dr. Follmann mit der Flussaue der Yamuna in der indischen Megastadt Delhi und arbeitet an diesem Fallbeispiel die Planungsdiskurse in Megastädten im Globalen Süden mit all ihren Widersprüchen, unterschiedlichen Visionen und Zielkonflikten detailreich heraus.

Im Zuge wirtschaftlicher Liberalisierung sowie fortschreitender Globalisierungsprozesse ist es das Ziel der Stadtentwicklungspolitik, die indische Hauptstadt Delhi in eine „World Class City” zu verwandeln. In der Vergangenheit haben insbesondere die wiederkehrenden monsunalen Überschwemmungen und die starke Verschmutzung des Flusses eine Bebauung der Aue weitestgehend verhindert. Die aktuellen politischen Vorstellungen einer „Weltklasse-Stadt“ haben in jüngerer Zeit jedoch eine deutliche Zunahme der Veränderungsdynamik und neue planerische Zugänge zur „Lösung“ der von vielen Entscheidungsträgern wahrgenommenen „Hinterhof-„ bzw. „Brachflächenproblematik“ um die Yamuna hervorgebracht. Vorstellungen von einer attraktiven Riverfront im Stile europäischer Städte dienen hier als zum Teil vorschnell übernommene Leitbilder, die lokale ökologische, klimatische und soziale Kontexte zu wenig berücksichtigen. Hinzu kommt die Umsetzung einiger städtebaulicher Großprojekte in der Aue, wie z.B. der Bau des Athletendorfs für die Commonwealth Games, die groß angelegte Eindeichungsmaßnahmen vorangetrieben und die Situation um Slum-Räumungen weiter verschärft haben. Diese Entwicklungen sind charakteristisch für aktuelle Landnutzungsveränderungen und -konflikte in den indischen Megastädten.

Für ein besseres Verständnis der Komplexität von urbanen Landnutzungsveränderungen und Umweltproblemen entlang der Yamuna, sowie von Flüssen in den Megastädten des Globalen Südens im Generellen, bedarf es empirischer Untersuchungen, die über eine enge räumliche Fokussierung auf die 'riverfront' hinausgehen. Hierzu ist es Herrn Dr. Follmann gelungen, die moderne Dichotomie von Natur und Kultur sowie Fluss und Stadt aufzubrechen, um das Fluss-Stadt-Verhältnis neu zu definieren. Die von Herrn Follmann vorgelegte Dissertation entwickelt ein neues Verständnis für die Erforschung von urbanen Flusslandschaften als sogenannte 'riverscapes'. Dabei handelt es sich um ein weiterentwickeltes theoretisches Konzept, welches auf einer Verknüpfung von Governance-Forschung und Ansätzen der Urban Political Ecology mit diskurs-analytischen Ansätzen basiert. Damit versteht sein Ansatz die Natur bzw. die rezenten Naturzustände vor allem als Ergebnisse dynamischer gesellschaftlicher Aushandlungsprozesse mit teilweise bereits mehrere Jahrzehnte umfassende Planungsvorgeschichten, während der urbane Umweltwandel im Globalen Süden andernorts vor allem vor dem Hintergrund des Klimawandels oder von Ressourcenkonflikten diskutiert wird. Mit dem Konzept der Riverscapes bietet Dr. Follmann neue Zugänge für die Erforschung von fluvial geprägten (Stadt-)Landschaften und der sie bestimmenden gesellschaftlichen Diskurse – dies gilt für die Geographie und ihre Nachbardisziplinen.

Methodisch beruht die Dissertationsschrift auf einem innovativen Methodenmix von Nutzungskartierungen der Flussaue zu unterschiedlichen Zeitpunkten, 72 Interviews mit Regierungsvertretern, Politikern, Wissenschaftlern, Juristen, Landwirten und Umweltaktivisten sowie einer umfangreichen Dokumenten- und Medienanalyse. Dabei ist zu berücksichtigen, dass gerade die Interviews zu teilweise sehr sensiblen Themen durchgeführt werden mussten. Die Arbeit von Herrn Dr. Follmann ist die erste, die für die Yamuna-Aue in Delhi alle wichtigen Stakeholder berücksichtigt. Durch das Konzept der Riverscapes verschneidet Dr. Follmann dabei u.a. geschickt die Ergebnisse seiner sozial-historischen und räumlichen Analysen.

Insgesamt leistet die Forschungsarbeit von Herrn Dr. Follmann einen wesentlichen Erkenntnisfortschritt zur Entwicklung von Megastädten und deren Umgang mit Frei- bzw. Grünflächen sowie den damit verbundenen ökologischen Ressourcen. Das Fallbeispiel Delhi/Yamuna-Aue erbringt dabei neue Einsichten in die sozialen Folgen der Beplanung von Riverscapes.


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